Ausgabe Nr. 1 / 2005
Trübe Aussichten für 2005

Die Ausgaben des
Bundeshaushalts 2005 belaufen sich auf 254 Milliarden, die mit einer
Neuverschuldung von „nur“ 22 Milliarden finanziert werden sollen. Dabei
ist der zweitgrößte Posten – nach dem Sozialetat mit 85 Mrd. Euro –
schon heute der Schuldendienst mit etwa 40 Milliarden. Dieser Haushalt
ist schon heute ebenso Makulatur wie die Haushaltspläne der
Rentenversicherungsträger, denn sie gehen von einer Steigerung des
Bruttosozialprodukts um 1,7 % aus – das ist die Herbstprognose der
Bundesregierung. Voraussetzung ist auch eine jahresdurchschnittliche
Arbeitslosenzahl von 4,334 Millionen – wer mag daran glauben?
Mit ihren
Prognosen steht die Regierung alleine auf weiter Flur. Alle führenden
Konjunkturforscher, auch die Berater der Bundesregierung, halten diese
Prognose für zu optimistisch; ihre Schätzungen liegen zwischen 0,8 %
(IfW) und 1,5 % (IWF). Von der Wirtschaftsentwicklung aber hängt die
Einnahmeentwicklung sowohl der öffentlichen Haushalte als auch der
Sozialkassen ab. Selbst wenn manche Signale aus der Wirtschaft einen
leichten Aufschwung anzudeuten scheinen – das Kernproblem der Misere,
die anhaltend hohe und weiter steigende Arbeitslosigkeit wird davon
nicht erreicht werden.
Aller
Geschäftigkeit der Bundesregierung zum Trotz, war das Jahr 2004 ein
verlorenes Jahr für den Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosigkeit ist weiter
gestiegen, sowohl die offizielle als auch die „verdeckte“. Und die
Bundesagentur für Arbeit will nicht ausschließen, dass im Laufe des
Winters die (offizielle) 5-Millionen-Marke überschritten wird.
Verbunden damit sind Steuerausfälle von Bund und Ländern; auch die
Beitragseinnahmen der Sozialversicherungsträger brechen weg. Das ist
z.T. auch eine Folge der auf gesetzlichen Maßnahmen beruhenden Zunahme
geringfügiger Beschäftigungsverhältnisse: Die Zahl der Arbeitnehmer
zwar nimmt zu, die sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisse
jedoch ab. Die Hartz-Konzepte haben die erhoffte Wirkung nicht
entfaltet. Und auch bei Hartz-IV ist nicht so richtig einsichtig, woher
die vielen Arbeitsplätze für die Langzeitarbeitslosen herkommen sollen.
Mehr Druck auf die Arbeitslosen, auch auf die Arbeitsunwilligen,
schafft noch keine Arbeitsplätze. Viel eher steht zu befürchten, dass
die 1-Euro-Jobs weitere Teilzeitarbeitsverhältnisse bei gemeinnützigen
Arbeitgebern vernichten werden.
Von all diesen
Fakten bleibt der Bundesfinanzminister unbeeindruckt. Böswillige
Zeitgenossen könnten das als Realitätsverlust werten, denn er will
weiterhin das nach dem Stabilitätspakt erlaubte Haushaltsdefizit von 3
% einhalten, obwohl die OECD nur noch von einem BIP-Wachstum von 1,2 %
ausgeht, ein halbes Prozent weniger als die Bundesregierung. Auch die
Sozialministerin Schmidt verkündet zur Sicherung der Sozialpolitik seit
Jahren einen Aufschwung, der von niemand mehr erwartet wird.
Da verwundert es
nicht, wenn die Bürger den amtlichen Versprechungen nicht mehr glauben.
Sie sorgen, wie sich das gehört, privat vor: Trotz aller Einbußen
sparten sie 2004 155 Milliarden Euro, so viel wie nie zuvor. Der
regierungsamtliche Optimismus steht zu den Erwartungen der
Wirtschaftssachverständigen und der Bürger in einem immer schärferen
Widerspruch. Die Bürger verweigern der Politik die volkswirtschaftliche
Gefolgschaft. Wird die Politik nicht auch beim Wirtschaften
glaubwürdiger, dürfte sich daran auch 2005 nichts ändern: Trübe
Aussichten für Deutschland!
Jörg Hebsacker
Lesen Sie in der DAZ Nr. 01/2005:
- 2006 ganz bestimmt!: Trübe Aussichten für 2005
- CDU/CSU auf dem Weg zur Einheitskasse - Gesundheitsprämie ist ein Irrweg
- Keine Besserung am Arbeitsmarkt und wenig Luft für die wichtige Aufgabe der Arbeitsvermittlung
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