Informationen Bundesfachgruppe Banken

10. Juni 2010

Tarifabschluss Privatbanken und öffentliche Banken:
Verdi-Verhandlungsfauxpas verhindert höheren Gehaltsabschluss

Nach schwierigen Verhandlungen einigten sich DHV und Arbeitgeber in den frühen Morgenstunden des 10.06.2010 auf einen neuen Gehaltstarifvertrag:

  • 300 € Einmalzahlung im August 2010
  • 1,6 % Gehaltserhöhung zum 01.01.2011
  • Laufzeit: 22 Monate
Auszubildende:
  • 75 € Einmalzahlung im August 2010
  • 1,6 % Erhöhung der Auszubildendenvergütungen zum 01.01.2011
Des weiteren wurde Einigkeit über folgende Punkte erzielt:
  • Verlängerung des Altersteilzeitabkommens bis zum 31.12.2014
  • Vereinbarung des Vorruhestandstarifvertrages in der alten Form bis zum 31.12.2012
  • Rationalisierungsschutzabkommen: Erhöhung der Abfindungen bei Beendigung des Arbeitsver-hältnisses um 0,5 Monatsgehälter
DHV und Arbeitgeber verpflichten sich, bis Ende 2012 Gespräche über eine neue Samstagsregelung zu führen.

Das Ergebnis der Verhandlungen ist aus unserer Sicht unbefriedigend. Denn im Laufe der Tarifverhandlungen gab die Arbeitgeberseite ein - aus unserer Sicht - deutlich besseres Gehaltsangebot ab:
  • 300 € Einmalzahlung im August 2010
  • 1,3 % Gehaltserhöhung zum 01.01.2011
  • 1,0 % Gehaltserhöhung zum 01.01.2012
  • Laufzeit: 25 Monate
Die DHV-Tarifkommission forderte zwar ein verbessertes Angebot ein, war aber zur Not bereit, dieses anzunehmen, wenn die Arbeitgeber sich nicht mehr bewegen sollten.
Verdi dagegen wollte anscheinend um jeden Preis eine geringere Laufzeit des Tarifvertrages und beging beim Feilschen um eine Verkürzung einen für die Beschäftigten der Privatbanken und öffentlichen Banken folgenschweren Fehler: Für eine geringe Verkürzung der Laufzeit um 3 Monate nahm verdi Abstriche in Höhe von 0,7 Prozentpunkten beim linearen Gehaltserhöhungsvolumen in Kauf!

Das Fehlen der zweiten Gehaltserhöhungsstufe wird sich für die Beschäftigten ab 2012 negativ auswirken. Gemäß dem ursprünglichen Gehaltsangebot hätten die Beschäftigten ab dem 01.01.2012 mehr Geld bekommen. Eine Gehaltserhöhung in 2012 auf 2,3 % Volumen aus dieser Tarifrunde hätte sich stärker ausgewirkt als sich diese auf 1,6 % Volumen auswirken wird.

Die DHV-Tarifkommission konnte diesen schweren Verhandlungsfauxpas von verdi nicht verhindern. Verdi weigert sich, mit der DHV zusammen zu verhandeln oder auch nur während der Verhandlungen zu sprechen. Die Tarifverhandlungen laufen parallel, und verdi war mit dem Abschluss vorgeprescht.

Trotz dieses unbefriedigenden Verlaufs bewertet die DHV-Tarifkommission den Abschluss als gerade noch tragbaren Kompromiss in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation von Privatbanken und öffentlichen Banken. Mehr war nach dem Verhandlungsfauxpas von verdi leider nicht mehr herauszuholen.

Als Erfolge wertet die DHV-Verhandlungskommission die Verlängerung des Altersteilzeitabkommens und die Vereinbarung des Vorruhestandstarifvertrages in der alten Form bis zum 31.12.2012. Auch die Forderung der Arbeitgeber nach Vereinbarung der Öffnungsklausel zur Samstagsarbeit in der bis zum 31.12.2008 geltenden Form konnte abgewehrt werden.

Die Vereinbarung eines freien Tages zur individuellen Gesundheitsprävention scheiterte am Widerstand der Arbeitgeber. Die DHV-Tarifkommission bedauert die Verweigerungshaltung der Arbeitgeber. Aufgrund der demographischen Entwicklung und der immer älter werdenden Unternehmensbelegschaften steigt die Bedeutung von individuellen Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge.  Es hätte den Tarifpartnern gut zu Gesicht gestanden, in der Erklärung zum Gesundheitsschutz einen freien Tag zur individuellen Gesundheitsvorsorge zu vereinbaren. Mit der diesjährigen Tarifrunde sieht die DHV-Tarifkommission diese Forderung als noch nicht erledigt an. Sie wird diese deshalb zur Tarifrunde 2012 wieder auf den Tisch bringen.

V.i.S.d.P.: Henning Röders

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