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Mitgliederzeitung DAZ

Die Deutsche Angestellten Zeitung (DAZ) ist die Mitgliederzeitschrift der DHV. Sie erscheint vierteljährlich und informiert die Mitglieder über die aktuelle Tarifarbeit sowie über Neuigkeiten aus Landesverbänden und der DHV-Arbeit in den Betrieben. Weiterhin werden in der DAZ die Positionen der DHV zu sozialpolitischen Themen veröffentlicht.
 
Die Zeitung erschien erstmals im Jahr 1896 unter dem Namen „Deutsche Handelswacht“. Die Herausgabe der Zeitung wurde nach der Zwangsauflösung durch die nationalsozialistische Regierung eingestellt. Nach Wiederbegründung des Verbandes 1950 erschien im selben Jahr die erste Nachkriegsausgabe der Handelswacht. Seit 1985 wird die Zeitung unter ihrem jetzigen Namen Deutsche Angestellten Zeitung herausgegeben.
 
Die „Blätter für junge Kaufleute“ sind das Mitteilungsorgan des Bundes der Kaufmannsjugend in der DHV. Die Erstausgabe der Blätter erschien bereits 1920. Bis 1972  waren sie eine eigenständige Publikation. Seit dem Jahr 1973 sind die Blätter ständiger Bestandteil der DAZ.

Schicksalsjahr 2017

Ausgabe 1/2017

Er geht es Ihnen genauso wie mir? Seit dem Amtsantritt von Donald Trump  schaue ich täglich auf den Internetseiten der großen Tageszeitungen nach, was gerade in den USA mit ihrem Präsidenten Trump passiert. Welche sogenannten alternativen Fakten werden der Öffentlichkeit präsentiert, welche Dekrete sind verabschiedet worden, welcher Minister oder Berater ist gefeuert worden oder musste seinen/ihren Hut nehmen? Und wenn man dann noch eine Pressekonferenz erlebt, in der der Präsident seinen perfekt funktionierenden Apparat lobt und zum wiederholten Mal die Presse als den Feind des amerikanischen Volkes beschimpft, dann könnte man meinen, man verfolge ein neues Showformat mit Unterhaltungswert für die ganze Welt.

Es wäre alles so schön, wenn es nicht so bitter ernst wäre. Als ich am 20. Januar 2017 die Amtseinführung von Donald Trump live am Fernsehen verfolgte und seine Rede hörte, lief mir ein kalter Schauer den Rücken herunter. Es befiel mich eine böse Vorahnung, dass die Welt, wie wir sie bisher gekannt haben, in eine schwere Existenzkrise gestürzt und in ihren Grundfesten erschüttert werden wird

Die Welt ist zwar noch nicht aus den Fugen geraten. Weder hat Donald Trump mit dem Mauerbau zu Mexiko begonnen noch sind die angekündigten Strafzölle gegen ausländische Güter beschlossen worden. Und wider Erwarten erleben der Dow Jones und der DAX Höhenflüge. Aber beruhigend ist die derzeitige Situation nicht. Ich stelle mir vor allem bange die Frage, was von dem wichtigsten Berater Steve Bannon an Unheil zu erwarten ist, der sich selber als Leninist bezeichnet, von der Dunkelheit der Macht fasziniert ist, die Notwendigkeit der Zerschlagung staatlicher Strukturen sieht und der Überzeugung ist, dass es in den nächsten 10 Jahren einen Krieg geben wird und dass Europa nur durch eine bewaffnete Auseinandersetzung vor der Macht des Islams geschützt werden könne. Und ein solcher Brandstifter sitzt ausgerechnet im Nationalen Sicherheitsrat und entscheidet im Extremfall über Krieg oder Frieden mit! Vielleicht kommt ab Mai sogar noch ein weiteres Feuer hinzu. Die Umfragewerte von Marine Le Pen steigen und steigen. Es sollen sogar Umfragen geben, die sie bei einer Stichwahl über 40 % sehen. Da genügt bis Mai nur noch ein Funke – vielleicht eine Verschärfung der Griechenlandkrise oder der Tod des algerischen Staatspräsidenten mit nachfolgendem Chaos und Flüchtlingsstrom nach Frankreich oder weitere Affären ihrer Konkurrenten – und Frankreich hat eine weibliche Trump als Präsidentin, die radikal mit dem Euro brechen und der EU den Todesstoß versetzen kann. Dann gibt es kein Schengen mehr, sondern Schlagbäume und Zollgrenzen zwischen Deutschland und Frankreich.

Ein Rückfall in nationalstaatliche Handlungsmuster, der Aufbau von Zollgrenzen sowie drohende Wirtschafts- und Währungskriege – das sind keine beruhigenden Aussichten für Deutschland, dessen Erfolgsmodell seit dem Wirtschaftswunder in den 50er-Jahren vor allem auf Exportstärke beruht und dessen Wirtschaft auf offene Grenzen und Freihandel angewiesen ist. Die derzeitigen Entwicklungen in der Welt bedrohen die Demokratie, die deutsche Wirtschaft und bringen zahlreiche Arbeitsplätze in Deutschland in Gefahr! Das kann uns als Gewerkschafter nicht kalt lassen. Deshalb rufe ich an dieser Stelle alle unsere Mitglieder auf, in diesem Schicksalsjahr 2017 unabhängig von der politischen Gesinnung einen Beitrag zum Erhalt der Demokratie zu leisten. Die Bundestagswahl im September dieses Jahres ist eine gute Gelegenheit für ein Votum für eine neue, demokratisch stabile Bundesregierung! Am Ende dieses etwas düsteren Editorials sehe ich auch Licht der Hoffnung. Die SPD hat es geschafft, mit der Nominierung von Martin Schulz als Kanzlerkandidaten aus dem Umfragetief herauszukommen

Die DHV ist eine überparteiliche Gewerkschaft, unsere Mitglieder haben deshalb selbstverständlich unterschiedliche Auffassungen zu Martin Schulz. Ich nehme mich da nicht aus. Persönlich sehe ich es kritisch, dass Martin Schulz, der lange Jahre der oberste Repräsentant des Europäischen Parlaments war und maßgeblich die Entscheidungsprozesse auf europäischer Ebene mitgestaltet hatte und der seit 1999 Mitglied des SPD-Bundesvorstandes ist, so daher kommt, als sei er der Neue, der bislang nichts mit der Bundespolitik zu tun gehabt hatte und nun mal mit alten Fehlern aufräumen wolle. Aber bei aller Kritik ist es ein beruhigendes Signal, dass die zweite große Volkspartei SPD Wähler mobilisieren und aus dem 20-Prozent-Turm ausbrechen kann. Dieses Mobilisierungspotential ist beeindruckend und zeigt, dass die SPD als Volkspartei durchaus lebt.

Eine stabile Demokratie lebt vom Wettbewerb demokratischer Parteien und ihrer Politiker. Die Bundestagswahl wird nach dem derzeitigen Stand der Dinge zeigen, ob Bundeskanzlerin Merkel weiter regieren oder ob der nächste Bundeskanzler Martin Schulz heißen wird. Letzterer wird dann beweisen müssen, ob er seine Versprechungen zur Rücknahme von Agenda 2010-Reformen oder zur Begrenzung von Managergehältern umsetzen kann und ob diese Maßnahmen die erhoffte Wirkung erzielen werden. Aber eine Beschäftigung mit solchen Themen ist mir lieber als sich Sorgen um den Bestand der Demokratie in Deutschland durch einen unaufhaltsamen Aufstieg eines Populisten machen zu müssen

 
Henning Röders
Bundesvorsitzender

 

Die DAZ 1 / 2017 finden Sie im Mitgliederbereich