Headerbild

Mitglieder Login

Mitgliederzeitung DAZ

Die Deutsche Angestellten Zeitung (DAZ) ist die Mitgliederzeitschrift der DHV. Sie erscheint vierteljährlich und informiert die Mitglieder über die aktuelle Tarifarbeit sowie über Neuigkeiten aus Landesverbänden und der DHV-Arbeit in den Betrieben. Weiterhin werden in der DAZ die Positionen der DHV zu sozialpolitischen Themen veröffentlicht.
 
Die Zeitung erschien erstmals im Jahr 1896 unter dem Namen „Deutsche Handelswacht“. Die Herausgabe der Zeitung wurde nach der Zwangsauflösung durch die nationalsozialistische Regierung eingestellt. Nach Wiederbegründung des Verbandes 1950 erschien im selben Jahr die erste Nachkriegsausgabe der Handelswacht. Seit 1985 wird die Zeitung unter ihrem jetzigen Namen Deutsche Angestellten Zeitung herausgegeben.
 
Die „Blätter für junge Kaufleute“ sind das Mitteilungsorgan des Bundes der Kaufmannsjugend in der DHV. Die Erstausgabe der Blätter erschien bereits 1920. Bis 1972  waren sie eine eigenständige Publikation. Seit dem Jahr 1973 sind die Blätter ständiger Bestandteil der DAZ.

DHV international

Ausgabe 4/2016

Vom 05. - 07.10.2016 fand in Bad Soden bei Frankfurt der Kongress unseres internationalen Dachverbandes, der World Organisation of Workers (WOW) statt.  Anlässlich der Eröffnung der Tagung wurden die Fahnen der Staaten aufgehängt, in denen Gewerkschaften Mitglied von WOW sind: 33 Staaten aus Europa, Nordamerika, Südamerika und Asien. Es war beeindruckend, und es erfüllte mich mit Freude, dass die DHV Teil dieser internationalen solidarischen  Gewerkschaftsbewegung ist. In einer Zeit, in der Begriffe wie z.B. Mauern, Abschottung, Protektionismus und Abschiebung wieder eine ganz reale, beunruhigende Bedeutung gewinnen ist es besonders wichtig, miteinander und nicht übereinander zu reden. Im persönlichen Gespräch erkennt man, dass auch der Gesprächspartner unabhängig von seiner Nationalität und seiner Sprache ein Mensch mit Gefühlen und Träumen ist, der ebenso wie man selbst lachen, schweigen, nachdenken und auch Gefühle zeigen kann. Dazu bot der WOW-Weltkongress eine ideale Gelegenheit.
Ich erlebte ein herzliches Wiedersehen mit vielen internationalen Bekannten und Freunden. Dazu zählte u.a. auch der auf dem Kongress aus seinem Amt scheidende WOW-Weltverbandsvorsitzende Roel Rotshuizen aus den Niederlanden. Ihn lernte ich an meinem ersten Arbeitstag für die DHV am 01.12.2000 kennen. Als frischgebackener Hauptgeschäftsführer nahm ich damals als erste Amtshandlung an einem internationalen Treffen teil. Er hielt auf dem WOW-Kongress einen beeindruckenden Rechenschaftsbericht in Englisch, Deutsch, Französisch und Spanisch. Während der Tagung saß ich neben den kanadischen Delegierten, deren Gewerkschaft ihre Zentrale in einem Ort hat, den ich aus meiner Zeit als Austauschschüler in Kanada 1985/1986 gut kenne – die Welt ist klein. Den Abschluss des ersten Abends verbrachte ich in einem Gespräch mit zwei Delegierten aus Puerto Rico und Panama. Am zweiten Abend führte ich ein längeres Gespräch mit Delegierten aus Bangladesch, die mir einen Einblick in den Arbeitsalltag in einem der ärmsten Länder der Welt gaben.
Bewegend war der Redebeitrag eines Delegierten aus Mali. Er sagte, dass seine Gewerkschaft ihren Mitgliedern nur den Rat geben kann, das Bürgerkriegsland wegen mangelnder beruflicher  Perspektive und vor allem wegen der Gefährdung ihres Lebens zu verlassen. Der Delegierte ist Vorsitzender seiner Gewerkschaft – ein gebildeter Mensch mit einem gepflegten Auftreten und einem imponierenden Charisma.Wie schlimm müssen die Zustände in Mali sein, dass dieser Delegierte sich zu einem solchen Redebeitrag veranlasst sah? Was könnte aus dem Bürgerkriegsland Mali werden, wenn die Waffen zur Ruhe kämen und Menschen wie dieser Delegierte die Chance hätten, sich mit vollem Engagement für Freiheit und Wohlstand einzusetzen?
Bewegend war auch der Rechenschaftsbericht der Gewerkschaftskonföderation Lateinamerikas. In den letzten vier Jahren wurden 340 Gewerkschafter ermordet. Allein in den letzten sechs Monaten wurden  2 Morde registriert. Engagierte, kritische Gewerkschafter, die in ihrem Land die grassierende Korruption aufdecken wollen, müssen um ihr Leben fürchten.
In meinem Grußwort an den WOW-Weltkongress ging ich kurz auf den Konflikt zwischen dem ukrainischen Staat und den Separatisten ein. Als ich nach meinem Redebeitrag zu meinem Platz gehen wollte, fing mich einer der ukrainischen Delegierten ab und drückte mit einer herzlichen
Umarmung seinen Dank für meine Erwähnung des nicht erklärten Krieges in seinem Land aus. Das war definitiv das mich emotional am meisten berührende Erlebnis des Kongresses!
Wir ärgern uns über manche unnütze Diskussion und nicht erreichte Ziele in Tarifverhandlungen. Wir prangern das Tariffähigkeitsverfahren der DGB-Gewerkschaften gegen uns als Angriff auf unsere gewerkschaftliche Existenz und als Gefährdung unserer verfassungsrechtlich garantierten Vereinigungsfreiheit und Tarifautonomie an. Wir sehen an manchen Tagen Probleme über Probleme
in unserer alltäglichen Arbeit. Aber sie stehen in keinem Verhältnis zu Krieg, Hunger, Vertreibung und Gefahr für Leib und Leben – leider sind diese in manchen Ländern, in denen WOW vertreten ist, die vorherrschenden Gefahren.
Veranstaltungen wie der WOW-Weltkongress können die Welt nicht auf einen Schlag verändern, sondern sie bringen die Welt nur um Millimeter voran. Aber viele tausend internationale Begegnungen, Veranstaltungen und Gespräche von Mensch zu Mensch zusammen genommen, können die Welt ein Stück voranbringen. Jede/jeder von uns muss sich nur darauf einlassen, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken und offen für Menschen aus anderen Ländern und Kulturen zu sein.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes, erfolgreiches und gesundes Neues Jahr. Danke, dass Sie uns in 2016 die Treue gehalten haben. Ich freue mich auf Ihre engagierte Mitarbeit in der DHV – auch in 2017

 
Henning Röders
Bundesvorsitzender

 

Die DAZ 4 / 2016 finden Sie im Mitgliederbereich