Headerbild

Mitglieder Login

Mitgliederzeitung DAZ

Die Deutsche Angestellten Zeitung (DAZ) ist die Mitgliederzeitschrift der DHV. Sie erscheint vierteljährlich und informiert die Mitglieder über die aktuelle Tarifarbeit sowie über Neuigkeiten aus Landesverbänden und der DHV-Arbeit in den Betrieben. Weiterhin werden in der DAZ die Positionen der DHV zu sozialpolitischen Themen veröffentlicht.
 
Die Zeitung erschien erstmals im Jahr 1896 unter dem Namen „Deutsche Handelswacht“. Die Herausgabe der Zeitung wurde nach der Zwangsauflösung durch die nationalsozialistische Regierung eingestellt. Nach Wiederbegründung des Verbandes 1950 erschien im selben Jahr die erste Nachkriegsausgabe der Handelswacht. Seit 1985 wird die Zeitung unter ihrem jetzigen Namen Deutsche Angestellten Zeitung herausgegeben.
 
Die „Blätter für junge Kaufleute“ sind das Mitteilungsorgan des Bundes der Kaufmannsjugend in der DHV. Die Erstausgabe der Blätter erschien bereits 1920. Bis 1972  waren sie eine eigenständige Publikation. Seit dem Jahr 1973 sind die Blätter ständiger Bestandteil der DAZ.

TV-Duell

Ausgabe 3/2017

Am Tag nach dem TV-Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz fragte ich einen Bekannten, ob er dieses gesehen hatte. Seine Antwort war „Nein, dafür sei ihm die Zeit zu schade gewesen“.

Nun, der Bekannte gehörte wohl einer Minderheit der Deutschen an, die das TV-Duell nicht gese-hen oder wenigstens hineinge-schaltet hatten. Es war ja auch schwer, sich diesem Ereignis zu entziehen. ARD, ZDF, RTL und Sat 1 waren auf Sendung, und auf den anderen Fernsehkanälen liefen wie bei Fernsehgroßereignissen üblich keine Highlights im Programm. Ich frage mich: Musste dieses Duell unbedingt auf vier Kanälen gleichzeitig laufen? Die Protagonisten und der Ablauf waren doch die gleichen, egal bei welchem Sender man gerade eingeschaltet hatte.

Wenn Sie die DAZ in den Händen halten, wird die Bundestagswahl gelaufen sein. Vielleicht werden die Koalitionsverhandlungen dann auch in einem fortgeschrittenen Stadium und sogar schon abge-schlossen sein. Dann lohnt sich schon ein Blick zurück auf das TV-Duell Merkel/Schulz, und die Frage wird sich stellen, was denn an Substanz aus diesem Showdown übrig bleiben wird. Meine Prognose zum Zeitpunkt des Verfassens des Editorials – zwei Wochen vor der Bundestagswahl – lautet: Vermutlich nicht viel.

Nun gut, Die klare Aussage von Angela Merkel, dass an der Rente mit 67 Jahren nicht gerüttelt wird, war ein Knaller. Daran wird sich Merkel messen lassen müssen, wenn sie als Bundeskanzlerin wiedergewählt werden wird. Die DHV begrüßt dieses Bekenntnis, aber es gibt nicht wenige Stimmen in CDU, CSU und FDP, die angesichts der demographischen Entwicklung ein höheres Renteneintrittsalter für erforderlich halten. Es könnte spannend werden, ob diese Stimmen mit dem Machtwort der Bundeskanzlerin verstummen werden oder ob die Diskussion weitergehen wird. Die DHV wird genau beobachten, ob die Bundeskanzlerin dieses Mal ihr Machtwort durchhalten kann oder ob wie beim Thema Auto-bahnmaut die Gefahr eines Um-fallens besteht.

Aber was bleibt sonst noch von dem TV-Duell in Erinnerung? Die Forderung von Martin Schulz, dass er sich für ein Ende der Beitrittsgespräche mit der Türkei einsetzen wird, war ein Aufreger, zumal sich die SPD bis dahin stets für die Fortführung der Beitritts-gespräche eingesetzt und Bun-desaußenminister Sigmar Gabriel noch wenige Tage vor dem TV-Duell den Abbruch der Beitrittsverhandlungen als nicht zielführend bezeichnet hatte. In der Sache lagen Merkel und Schulz allerdings nicht weit auseinander, denn auch Angela Merkel will derzeit die Beitrittsverhandlungen nicht fortführen. Aber ist die Türkei so entscheidend für die Zukunft Deutschlands? Den Themen Türkei und Flüchtlingskrise wurde viel zu viel Zeit eingeräumt, während am Ende die für die Zukunft Deutschlands entscheidenden Themen innere Sicherheit, Wirtschaft und soziale Sicherheit im Schweinsgalopp abgehakt wurden. Das Thema Digitalisierung gar wurde erst im Schlusswort der Bundeskanzlerin Merkel kurz angesprochen.

Dabei hätten kritische Fragen zu den zu kurz gekommenen The-men durchaus Pfeffer in die Diskussion und Merkel und Schulz ins Schwitzen bringen können, wie etwa z.B.:


Frage an Martin Schulz: Die SPD verspricht mit ihrer geplanten Rentenreform ein Plus von bis zu 150 € im Monat für einen Durchschnittsrentner und von 225 € im Monat für einen Facharbeitsrentner. Zugleich verspricht die SPD eine Deckelung des Rentenversicherungsbeitrages von heute 18,6 % auf maximal 22 % im Jahr 2030. Wie wollen Sie die nach eigenen Angaben klaffende Finanzierungslücke von 78 Mrd. € schließen, ohne dass es zu erheblichen Mehrbelastungen der Bun-desbürger kommt?

Frage an Angela Merkel: Wie wollen Sie das Ziel der CDU, bis 2025 Vollbeschäftigung zu erreichen, für den Fall sichern, dass in den nächsten Jahren eine neue Wirtschafts- und Finanzkrise ausbricht und/oder die Zahl der Flüchtlinge ähnliche Ausmaße wie 2015 erreicht?

Frage an Martin Schulz: Wie erklären Sie den Beschäftigten der privaten Krankenversiche-rung, die wegen der Einführung der Bürgerversicherung um ihren Job fürchten, dass ebendiese Bürgerversicherung sozial gerecht ist?

Frage an Angela Merkel: Sie stellen die Digitalisierung der Arbeitswelt als große Herausforderung der nächsten Jahre dar. Wieso hat aber der CDU-Gesundheitsminister dann dem Onlinehandel von Medikamenten einen Riegel vorgeschoben? Ist das etwa ein Zeugnis vorausschauender Zukunftspolitik, oder hat sich die Bundesregierung zum Spielball von Lobbyinteressen gemacht?

Schade, dass solche Fragen im TV-Duell nicht gestellt wurden. Sie hätten die Kandidaten ins Schwitzen bringen können und wären ein gute Einstieg für weitere, tieferbohrende Fragen gewesen. Jetzt müssen wir hoffen, dass das nächste Kanzlerduell in vier Jahren besser verlaufen wird.

 

Henning Röders
Bundesvorsitzender

 

Die DAZ 3 / 2017 finden Sie im Mitgliederbereich