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CGB-Maiaufruf 2018: # Für Dich – CGB!

Unsere Arbeitswelt, unsere Werte und unsere Vorstellungen, wie unser Leben und unsere Gesellschaft in Zukunft gestaltet werden sollen, waren noch nie sich so schnell ändernden Bedingungen und Voraussetzungen unterworfen, wie heute. Der Wunsch nach Veränderung und progressiver Entwicklung, der Schritt in ein neues digitales Zeitalter, das in seinen Auswirkungen mit der industriellen Revolution vergleichbar ist, bricht gewohnte gesellschaftliche und arbeitsmarktpolitische Strukturen auf.

So verschwimmen etwa die Grenzen geregelter Arbeitszeiten. Das selbstständige Einteilen von Arbeitszeit und Anwesenheitszeiten verbunden mit der permanenten Erreichbarkeit verändert in vielen Bereichen die traditionelle Zeitverteilung zwischen Privat- und Berufsleben. Diese Möglichkeiten geben Arbeitnehmern einerseits eine Fülle an neuen Freiheiten und erleichtern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, bringen aber auch ganz neue Risiken, wie den Hang zur Selbstausbeutung durch die prinzipielle 24stündige Verfügbarkeit in der digitalen Welt. Die Fülle an Innovationen und Veränderungen zwingt uns alle, uns im privaten und im beruflichen Bereich mit diesen neuen Bedingungen zu arrangieren.

Aber reicht das? Ist es wirklich genug, sich nur mit den Veränderungen zu arrangieren und den Entwicklungen ohne Eigeninitiative hinterher zu laufen? Wir als christliche Gewerkschafter sagen nein, das reicht uns nicht. Wir wollen unsere Zukunft und unsere Arbeitswelt selbst mitgestalten, wir wollen nicht von den Umständen gestaltet werden. Wir wollen auch in der neuen digitalen Welt unsere Grundwerte der christlichen Sozialethik, Eigenverantwortung, Solidarität, Toleranz, Respekt im Umgang miteinander, Humanität und Stärkung des Gemeinwohls verwirklichen. Diese Grundwerte dürfen in der Neuordnung der Gesellschaft und Arbeitswelt nicht auf der Strecke bleiben.

Wir werden durch unsere Arbeit vor Ort in den Betrieben als Betriebsräte, Vertrauensleute und gewerkschaftliche Funktionsträger beweisen, dass moralische Werte und moderne Zeiten nicht gegensätzlich, sondern kompatibel sind.
 
Das bedeutet nicht nur die positive Weiterentwicklung der Arbeitsbedingungen und des Einkommens, sondern auch, dass wir alles dafür tun müssen, Arbeitsplätze zu erhalten und Arbeitsplätze, die durch Rationalisierung und Modernisierung wegfallen, durch neue zu ersetzen. Der Schlüssel für dieses Ziel liegt in der Aus- und Weiterbildung. In Deutschland muss Bildung und Qualifikation einen viel größeren Stellenwert erhalten. Nur so können wir die Beschäftigten in das neue digitale Zeitalter mitnehmen und ihre Beschäftigung sichern. Dafür werden wir für Euch als christliche Gewerkschafter auf der tariflichen und betrieblichen Ebene kämpfen.

Moderne Gesellschaft und moderne Arbeitswelt erfordern aber auch modernes Denken. Für den Rückfall in Isolationismus, Protektionismus durch Strafzölle und Fremdenfeindlichkeit ist in der modernen Zeit kein Platz. Wir christliche Gewerkschafter werden unseren Teil dazu beitragen, für Euch nicht nur gerechte Arbeits- und Lebensbedingungen, sondern durch unser konkretes Handeln vor Ort auch Raum für Freiheit und Weltoffenheit zu schaffen.

Dazu gehört auch das konsequente Eintreten für die gesellschaftliche Balance in der Verhinderung von Altersarmut und der Stabilisierung der Lebensbedingungen. Der erste Schritt hierfür liegt aus unserer Sicht in der Abschaffung jeglicher Ausnahme vom Mindestlohn, der zweite in der progressiven Weiterentwicklung des Mindestlohns. Der Mindestlohn ist ein erster Schritt zur Eindämmung späterer Altersarmut. Ein weiterer wichtiger Punkt ist mindestens die Stabilisierung des Rentenniveaus und die Verhinderung weiterer Absenkungen, wünschenswert für die Zukunft wäre die Erhöhung des Rentenniveaus auf ein Maß, das Altersarmut eindämmt. In einem wirtschaftlich starken Land wie Deutschland muss es möglich sein, mit allen gesellschaftlichen Kräften einen Weg zu finden, mit dem Altersarmut verhindert werden kann.

Gewerkschaftliche Arbeit ist kein Selbstzweck und kein Ersatz für parteipolitisches Engagement. Gewerkschaftliche Arbeit muss für den Menschen und dessen Bedürfnisse stehen. Für uns steht ganz im Sinne der christlichen Soziallehre der Mensch im Mittelpunkt. Die Gesellschaft und die Arbeitswelt müssen für den Menschen da sein und nicht umgekehrt. Wir treten als christliche Gewerkschafter für Euch ein. Unser Ziel ist es, in gelebter Sozialpartnerschaft mit der Arbeitgeberseite Lösungen zu erarbeiten und in Verhandlungen durchzusetzen, die Euch und Eure Bedürfnisse nicht aus den Augen verlieren. Dabei setzen wir auf partnerschaftliche Verhandlungslösungen, scheuen aber auch nicht die Konfrontation, wenn sie notwendig ist.

Diesen Weg gehen wir christliche Gewerkschafter schon seit über einhundert Jahren. Wir werden unseren Weg auch in Zukunft gehen, weil wir überzeugt sind, dass es richtig ist, moralische Werte mit Gesellschaft und Arbeitswelt zu verbinden.