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Private und öffentliche Banken: Keine Bewegung auf Arbeitgeberseite in der zweiten Verhandlungsrunde

Die zweite Verhandlungsrunde verlief absolut enttäuschend. Weder sah sich die Arbeitgeberseite in der Lage, ein Gehaltsangebot abzugeben noch ließ sie Kompromissbereitschaft bei den DHV-Forderungen nach Verlängerung des Vorruhestandsabkommens und des Altersteilzeitabkommens über den 31.12.2014 hinaus erkennen. Stattdessen beharrte die Arbeitgeberseite auf ihrer Forderung zur Neuregelung der Samstagsarbeit.

Die Arbeitgeberseite fordert:

  • Erzwingbare Mitbestimmung bei der Samstagsarbeit
  • Maximal 12 % der Belegschaft soll am Samstag arbeiten dürfen.
  • Freiwilligkeit der Samstagsarbeit erst ab dem 25. Einsatz
  • Zuschläge an Samstagen erst ab 15.30 Uhr

Unsere Position dazu: Die Arbeitgeberforderungen sind keine Basis für einen Kompromiss!

Die Wochenenden sind ein hohes Gut für die Arbeitnehmer. Gerade für Familien, in denen beide Elternteile arbeiten - was mittlerweile zur Regel geworden ist -  sind es die einzigen freien Tage, an denen ausreichend Zeit für den Partner/die Partnerin, die Kinder oder Enkelkinder verbleibt. Wenn auch der Samstag zum Arbeitstag wird, dann bleibt vom Familien- oder Partnerschaftsleben nicht mehr viel übrig. Ein Freizeitausgleich in der Woche ist keine angemessene Kompensation. Ein freier Werktag, der unter Umständen allein genossen werden muss, hat einen geringeren Stellenwert als ein freies Wochenende von zwei zusammenhängenden Tagen.

„Die Kunden sitzen nicht am Verhandlungstisch.“ So lautet die Argumentation der Arbeitgeber: Kunden sind aber keine bloßen Kennzahlen zur Gewinnmaximierung, sondern Menschen wie die Bankbeschäftigten, die freie Wochenenden wertschätzen! Die Kunden haben deshalb sicherlich Verständnis für die ablehnende Position der Bankmitarbeiter zu den Versuchen der Arbeitgeberseite, mit einer tariflichen Regelung die Tür zum Samstag als Regelarbeitstag weit aufzustoßen. Die ausgelaufene tarifliche Regelung reichte unseres Erachtens vollkommen aus, um auch unseren Kunden eine gewisse Servicequalität, auch an Samstagen, zu ermöglichen

Die DHV-Verhandlungskommission lehnte angesichts der Arbeitgeberhaltung eine inhaltliche Stellungnahme zur Arbeitgeberforderung zur Neuregelung der Samstagsarbeit ab. Die Verhandlungen wurden ergebnislos abgebrochen und auf den 30.06.2014 vertagt.

Arbeitgeberwertschätzung zeigt sich darin, wie sie mit den Gewerkschaften umgeht. Kein Gehaltsangebot, keine Kompromissbereitschaft beim Vorruhestand und bei der Altersteilzeit – so sieht keine echte Verhandlungsbereitschaft aus, so lassen wir uns nicht behandeln!

Private und öffentliche Banken: Unglaublich! Arbeitgeber halten 0,18 % Reallohnzuwachs pro Jahr für angemessen

Am 05. Mai 2014 fand in Berlin der Auftakt zur Gehaltstarifrunde 2014 statt. Die DHV bekräftigte ihre Forderungen:

  • 3,5 % lineare Gehaltserhöhung p.a.

Die Beschäftigten der Privatbanken und öffentlichen Banken haben eine deutliche Gehaltserhöhung verdient. Ihre engagierte Arbeit muss angemessen gewürdigt werden.
Die auf den Zeitraum von 12 Monaten bezogene DHV-Gehaltsforderung ist maßvoll. Die DHV-Verhandlungskommission machte in der Verhandlung deutlich, dass der Gehaltsabschluss über 3 % liegen muss.

  • Verlängerung des Vorruhestandsabkommens

Das Vorruhestandsabkommen hat sich in vielen Banken als Instrument für einen sozialverträglichen Übergang in den Ruhestand bewährt.

  • Verlängerung des Ende 2014 auslaufenden Altersteilzeitabkommens

Die DHV-Tarifkommission schlägt vor, im Rahmen des Gehaltstarifabschlusses auch das Ende 2014 auslaufende Altersteilzeitabkommen zu verlängern.

Die Arbeitgeberseite wies die DHV-Forderung als maßlos zurück. Die Situation der Banken sei infolge von Eurokrise, Niedrigzinsphase, steigenden Kostenbelastungen durch Bankenabgabe und Eigenkapitalerhöhung sowie infolge von wachsender Bürokratie nach wie vor äußerst angespannt und lasse keinen Verteilungsspielraum zu. Waren dies die üblichen Argumente, die in jedem Gehaltstarifrundenauftakt vorgebracht werden, wartete die Arbeitgeberseite mit einem weiteren sehr abwegigen Argument für Lohnzurückhaltung auf: Nach Meinung der Arbeitgeber gibt es keinen Anlass für irgendeinen Nachholbedarf, denn schließlich hätten die Beschäftigten seit Ausbruch der Finanzkrise immerhin einen „Reallohnzuwachs“ von 0,9 % gehabt!
Es ist unglaublich: 0,18 % Reallohnzuwachs pro Jahr hält die Arbeitgeberseite für völlig ausreichend. Unsere Meinung: Das ist kein Reallohnzuwachs, sondern Reallohnstagnation! Das gilt vor allem auch angesichts des Fakts, dass bei den Lebenshaltungskosten des täglichen Bedarfs die gefühlte Inflation weit über dem offiziellen Wert lag!
Die Arbeitgeberseite muss erkennen, dass ihre Argumentation völlig fehl am Platze ist. Die DHV fordert zur nächsten Verhandlungsrunde am 27.05.2014 in Frankfurt ein diskussionsfähiges Angebot, das deutlich in Richtung unserer realistischen Forderung geht!

Die DHV-Forderung zur Verlängerung des Vorruhestandsabkommens wies die Arbeitgeberseite ebenfalls zurück. Das Abkommen sei ein Anachronismus, der nicht mehr in die Zeit des wachsenden Fachkräftemangels passe. Diese Arbeitgeberhaltung ist aber nicht nachvollziehbar, denn vor gerade einmal fünf Monaten präsentierte die Arbeitgeberseite in einem Tarifgespräch mit der DHV eine überarbeitete Fassung des Vorruhestandsabkommens. Warum hat sich die Arbeitgeberseite diese Arbeit gemacht, wenn sie das Vorruhestandsabkommen als einen aus der Zeit gefallenen Anachronismus hält?

Im Gegenzug forderte die Arbeitgeberseite:

  • Vereinbarung einer Regelung zur Samstagsarbeit
  • Verlängerung der Regelung zu den Langzeitkonten
  • Verlängerung der 31-Stunden-Regelung

Die DHV-Tarifkommission nahm die Arbeitgeberforderung zur Kenntnis. Ohne inhaltlich Stellung zu nehmen machte sie deutlich, dass die DHV insbesondere bei der Samstagsarbeit nicht verhandlungsbereit ist, wenn die Arbeitgeber ihrerseits Verhandlungen über den Vorruhestand ablehnen.

Tarifinformation Bundesfachgruppe Bankgewerbe

9. August 2012

Gehaltstarifrunde 2012 Volks- und Raiffeisenbanken: DHV fordert 6,0 % p.a.

Die DHV hat den Gehaltstarifvertrag mit den Volks- und Raiffeisenbanken fristgemäß zum 31.08.2012 gekündigt. Für die am 21.09.2102 beginnenden Tarifverhandlungen hat die DHV-Tarifkommission ihre Forderungen aufgestellt:

  • Lineare Gehaltserhöhung: 2 x 6,0 % bei einer Laufzeit des Tarifvertrages von 24 Monaten
    Die Genossenschaftsbanken haben in den vergangenen beiden Jahren gute Ergebnisse erzielt und in besonderem Maße von der guten Wirtschaftsentwicklung profitiert. Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) hat im März bei der Veröffentlichung der Jahresergebnisse von 2011 einen positiven Jahresausblick für 2012 abgegeben. Die bisherigen Entwicklungen in diesem Jahr bestätigen den Optimismus des BVR. Die DHV ist bei einem guten Gehaltskompromiss bereit, einen Tarifabschluss mit zweijähriger Laufzeit zu akzeptieren.

  • Ein Gesundheitstag pro Jahr
    Angesichts des steigenden Renteneintrittsalters und des steigenden Durchschnittsalters der Beschäftigten gewinnt die Gesundheitsvorsorge immer mehr an Bedeutung. Dafür soll ein Gesundheitstag jährlich durch Tarifvertrag vereinbart werden.

  • Tarifierung eines Anspruchs auf Familienpflegezeit
    Das neue Familienpflegezeitgesetz sieht die Möglichkeit für die Arbeitnehmer vor, zur Pflege eines nahen Angehörigen für maximal zwei Jahre in Teilzeit zu gehen und die Differenz zur bisherigen Vergütung um die Hälfte aufzustocken. Nach der Pflegezeit arbeitet der Arbeitnehmer wieder gemäß seiner vertraglichen Arbeitszeit und erhält so lange nur die reduzierten Bezüge, bis er durch das einbehaltene Entgelt das aufgebaute negative Wertkonto ausgeglichen hat. Das Familienpflegezeitgesetz sieht allerdings keinen Rechtsanspruch der Beschäftigten auf Familienpflegezeit vor. Diesen will die DHV-Tarifkommission tarifvertraglich verankern.

  • Fünf Tage bezahlte Freistellung bei kurzfristig auftretenden Pflegefällen
    Die Inanspruchnahme von Beschäftigten durch kurzfristig auftretende Pflegefälle wird an Bedeutung zunehmen. Denn die Zahl der Kleinfamilien und der Singlehaushalte steigen.

  • Verlängerung der Öffnungsklausel für Langzeitkonten
    Die Öffnungsklausel zu den Langzeitkonten soll über den 31.12.2012 hinaus verlängert werden.

  • Unbefristete Verlängerung des Altersteilzeittarifvertrages
    Angesichts der Heraufsetzung des Rentenalters auf 67 Jahre ist es wichtig, sozialverträgliche Formen für einen Übergang in den Ruhestand zu vereinbaren. Denn nicht jede/r Beschäftigte/r wird bis 67 Jahre volle Arbeitsleistung erbringen. Die Altersteilzeit ist hierfür ein geeignetes Instrument und sollte unbefristet verlängert werden.

  • Übernahmegarantie Auszubildende: 1 Jahr
    In Zeiten des absehbaren Fachkräftemangels ist es wichtig, die Auszubildenden an die Unternehmen zu binden. Die Vereinbarung einer Übernahmegarantie sehen wir hierbei als eine geeignete Möglichkeit der längerfristigen Bindung von Nachwuchskräften an.

V.i.S.d.P.: Henning Röders